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Kurze Prosa

Auf dieser Seite findet ihr in Zukunft jeden Monat einen neuen (oder auch älteren) kurzen bis ganz kurzen Text.

 

 

    Neues vom Tode Gottes

   In der bedeutendsten Kirche einer nicht eben unbedeutenden Kirchengemeinschaft der Erde erscheint eines Tages deren Gott und unterbreitet dem Obersten Hirten einige Vorschläge des inner- und außerkirchlichen Volkes, welches vehement fordert, gewisse Grundsätze des liebenden Glaubens endlich auch in die Tat umzusetzen. Da jedoch besagter Oberster Hirte keine Ohren hat zu hören, noch nicht einmal auf seinen Gott, verschanzt der sich in besagter bedeutender Kirche und droht sie zu sprengen, gehe das kirchliche Establishment nicht binnen vierundzwanzig Stunden auf die Forderungen ein.
    Weil aber die Ausführung solcher Drohung den touristischen Wert besagter bedeutender Kirche, mithin die Einnahmen der Gemeinschaft, mithin die des kirchlichen Establishment, nicht gerade unbedeutend verringern würde, sieht sich der Oberste Hirte genötigt, eine Special Force der freiesten Army der Welt zu Hilfe zu rufen, welche vor Ablauf der Frist jenen Terroristen, vorgeblich "Gott", der die Freiheit der Religion bedroht, effizient und mit sehr vielem Aufsehen erledigt. (Nun wird der Präsident, ihr oberster Kriegsherr, ganz gewiss wiedergewählt.)
     Gott kommt in den Himmel, denn Gott ist tot. Dort oben trifft er zuerst auf Nietzsche, der äußerst bestürzt beteuert, so habe er sich das aber nicht gedacht! In einem Anfall von Edelmut bietet er Gott, sollte der eine weitere Auferstehung planen, seine uneingeschränkte Beihilfe an. Gott jedoch lehnt ab: man sehe ja, das bringe nichts, und überhaupt, nach diesem Schreck wolle er lieber Skat spielen; was Nietzsche von Marx als drittem Mann halte? Nietzsche murmelt zwar etwas von „Socialismus ... Tyrannei der Geringsten und Dümmsten ...”, gibt aus gegebenem Anlass aber ausnahmsweise nach, und es wird noch ein ziemlich vergnügter Abend.

 

 

© by Peter Schünemann 2005